Guy Bourdin

Die Stern Fotografie Ausgabe 61 zeigt das Werk des Wegbereiters der Fashion-Fotografie Guy Bourdin.

Der Band ist in Rekonstruktion und Archivarbeit durch Spezialisten aus dem Nachlass Guy Bourdins entstanden. stern-Art-Director Donald Schneider:
„Es war ein unbeschreiblicher Aufwand, weil Negative verloren waren und manche Fotos aus dem, was man fand, wiederhergestellt werden mussten.“
In seiner eigenen Zeit als Art Director bei der französischen Vogue war er durch einen Rechercheauftrag im Archiv auf die Arbeiten Guy Bourdins gestoßen – ein Eindruck, der lebendig blieb.

Guy Bourins Passion galt ursprünglich der Malerei, 1948 wurde er im Alter von 20 Jahren in den Krieg eingezogen und lernte bei einem Militärfotografen sein Handwerk. Als er 1950 wieder nach Paris kam, begann er zunächst mit seiner Kamera das alltägliche Leben in den Straßen von Paris zu dokumentieren. Er lernte dann Man Ray kennen und beide beginnen mit der Kamera sowie im Labor zu experimentieren, um neue Möglichkeiten der Darstellung zu finden.
1955 begann Guy Bourdin für die Vogue zu fotografieren. Seine Bildkonzeption zeigt kühle narrative Situationen, die neben der bloßen Darstellung auch eine Geschichte erzählen.
Die Handlung wurde seitdem zu einem substanziellen Gestaltungsschwerpunkt in der Modefotografie. Damit gilt Guy Bourdin als Begründer des Fotoessays, einer narrativen Form der Modestrecke, die mittels einer Serie, bestehend aus mehreren Fotografien, eine fortlaufende Geschichte erzählt. Surreale Bildwelten erhielten Einlass in eine der gesellschaftlich, einflussreichsten Zeitschriften, der Vogue, für die er von 1955 bis 1987 fotografierte.

Anders als bekannte Protagonisten seiner Zeit ging Guy Bourdin mit seinen Momentaufnahmen über kontroverse Stilisierung hinaus: Die pointierte Verletzung der Behaglichkeit, die der
gekonnten Verführung in seinen Bildern inne wohnt, ist vielschichtig. Bourdins Markenzeichen ist die komplexe, surreale Bildsprache, die Verbindung einfacher Objekte mit mehrdeutigen, oft rätselhaften Subtexten – verdichtet auf den Moment. Darin finden sich Sex, skurrile Gegensätze und Andeutungen von Gewalt, analog fotografiert unter authentischen und oft harten Bedingungen für seine Models. Seine Erzählweise, entstanden im Paris der späten fünfziger Jahre, ist der Schlüssel zu den Arbeiten vieler heutiger Stars in der Fotografie wie David LaChapelle oder Steven Meisel.
Später formuliert er diesen Ansatz aus und es entstehen Bilder latenter Kritik zu Hedonismus, Übermaß und Schönheitswahn, in einer Zeit, die geprägt ist von tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Abbildungsnachweis

  1. Guy Bourdin, Gruner + Jahr.
  2. Guy Bourdin, Gruner + Jahr.
  3. Guy Bourdin, Gruner + Jahr.