Wolfgang Weingart

Wolfgang Weingart wurde 1941 in der Mitte des zweiten Weltkrieges geboren und wuchs im Salemertal, Deutschland, nahe der schweizerischen Grenze auf. In seiner Autobiographie: „my way to Typography“ nimmt er unmittelbar Bezüge zu seiner Kindheit und Jugend auf zu seinem späteren Gestaltungsweg. Er schreibt von kindlichen Erinnerungen, erzählt von Gegenständen die ihm wichtig waren, seinen Eltern und weiters von Reisen, die wohl die stärkste seiner Inspirationsquellen im früheren, sowie im späteren Verlauf seines gestalterischen Wer- deganges werden sollten. Weingart stellt sich vor allem in den frühen Jahren als eine Person des Scheiterns dar; wird abgelehnt, versucht es immer wieder und be- ginnt, anstatt der angestrebten Ausbildung als Gestalter, mit einer Ausbildung als Schriftsetzer in einer kleinen Druckerei in Stuttgard, der er ebenso ernst wie verspielt entgegentritt.

Basierend auf den Lehren des Deutschen Bauhauses kurz nach dem zweiten Weltkrieg entstand die Schweizer Typografie und bekam DER rationale Zugang zu Typografie. Sie bestanden auf eine unaufdringliche und transparente Typografie um klar textliche Inhalte zu kommunizieren. Schon zu Beginn der 60er hatte die Schweizer Typografie ihren Ruf in der Welt fundamentieren können. Sie bekam das Corporate Design für Multinationale Konzerne und behauptete sich als der „internationale typografische Stil“.

Weingart wuchs unmittelbar mit ihrer Entstehung auf, nahm sie in seinem Gestaltungsweg an, und Hauptvertreter dieser, wie Emil Ruder und Armin Hoffmann wurden zu Vorbildern Weingarts. Es war somit kein Zufall, dass sich Weingart gerade bei diesen Ikonen auf einen Platz an der Kunstgewerbehochschule in Basel nach seiner beendeten Schriftsetzerlehre beworben hatte. Statt diesen zu bekommen, bot ihm Armin Hoffmann an, an der Schule Typografie zu unterrichten, wohl aus

Bewunderung seiner Arbeit und seiner didaktischen Vorgangsweiße. Armin Hof- mann war in jedem Fall ein Idol Weingarts, genau wie der spätere Weingart lehnt er alles Dogmatische ab und stellt sich einem reflexiven, didaktischen Prozess, anstatt blind auf Rezepte zu vertrauen.

Durch die Einführung er neuen Technologie, dem Computer regierte Anarchie in den 90er Jahren. Vollkommen neuen Ansatzwegen und neuen Möglichkeiten zu Gestalten wurde ein Weg gelegt. Dies waren die Tage für Grafik-Design Superstars. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass diese Designer den Stil Weingarts aufgegriffen hatten und ihn zu neuen Höhen gebracht hatten. Sie haben es in jedem Fall geschafft einen kommerziellen Erfolg daraus zu machen.

„They were doing it as a style and it was never my idea to create fashion“

Es geht nicht um Trends, vielmehr um ein sich, jedoch niemals ganzes „Entfernen“ oder „Lösen“ einer Art Stabilität und Sicherheit.

Weingarts typografische Experimente spannten sich über drei Schriftsetz-Technologien: Letterpress, fotografischer Satz und Computer. Trotz seinem Enthusiasmus zum Letterpress und dem Fotosatz, zeigt er sich weniger leidenschaftlich gegen- über dem Computer. Dies sei ihm zu illusorisch; er beschreibt diesen als digitale Uhr, welche nur einen Moment aufzeigt, wogegen eine mechanische Uhr eine Landschaft bildet, die eine Geschichte erzählt.

In seinem Unterricht wird somit nicht digital gearbeitet. Zuerst werden Ideen und Konzept mit Hand aufgezeichnet. Weingart will damit erreichen, dass seine Studenten Design als tastbare Erfahrung wahrnehmen. Genau aus diesem Grund war es überraschend, dass er als vielleicht erste Person den Macintosh im type Shop in der Schweiz einführte.

 

 

Verfasst von Elias Hanzer | Visuelle Kommunikation | SoSe 2014