Der Mensch und seine Zeichen
Schriften, Symbole, Signete, Signale

Das Buch „Der Mensch und seine Zeichen“ von Adrian Frutiger (*24. Mai 1928 in Unterseen bei Interlaken) , einem der wohl bedeutendsten Schriftgestalter des 20. Jh., erschien erstmals 1978 und ist heute definitiv eines der Standartwerke für all diejenige, die einen umfassenden Einblick in die Welt der Zeichen und ihre Theorie erlangen möchten.

 

 

Sein Buch gliedert sich in 3 Teile:

Teil 1: Zeichen erkennen und Zeichen gestalten

Teil 2: Die Zeichen der Sprachfixierung

Teil 3: Zeichen, Symbole, Signete, Signale

 

Im ersten Teil des Buches, das in Bezug auf den ganzen Text als einleitender Teil in die Welt der Zeichen zu verstehen ist, geht es zunächst um die Grundelemente Punkt, Linie, Schräge und Kurve, die nach Frutiger vonnöten sind um ein Zeichen darzustellen. Hierbei geht es vor allem und die Wirkung, die diese verschiedenen Elemente beim Betrachter auslösen. So entsteht z.B. bei der horizontalen Linie ein komplett anderer unbewusster Eindruck als bei der vertikalen Linie. Außerdem erfährt der Leser wie man durch bewusstes Verwenden und Anordnen einfachster Zeichenelemente eine andere Bildwirkung erzielen kann und das dementsprechend Zeichengestaltung keineswegs zufällig erfolgt bzw. erfolgen sollte.

Nachdem er sich ausführlich mit den Elementen eines Zeichens befasst hat, führt er die Grundzeichen Rechteck, Dreieck, Pfeil, Kreuz und Kreis ein und erklärt, wie eben diese „fertigen“ Zeichen auch ganz unterschiedlich in der Wirkung sein können, so wirkt ein Dreieck, das mit einer Seite auf dem Boden steht, sehr monumental, während ein Dreieck auf der Spitze einen nicht sehr beständigen, geradezu wackligen Eindruck macht.

Im nächsten Schritt nähert sich Frutiger dem Thema der Zeichen-Morphologie, d.h. der Formlehre der Zeichen und zeigt dem Leser anhand von verschiedenen, recht umfangreichen morphologischen Tafeln, wie durch verschiedenste Arten der Kombination von den Grundzeichen oder einzelnen Elementen zum einen sehr abstrakte Zeichen entstehen können, zum anderen aber auch etliche Objekt-Zeichen, je nachdem in welcher Art und Weise z.B. Scheitelpunkte aufeinandertreffen und so vielleicht Flächen entstehen, die stark an etwas objekthaftes erinnern.

Dem Thema der Fläche widmet er sich nach diesem Abschnitt noch einmal intensiver und zeigt anhand von Beispielen wann z.B. der Eindruck einer Fläche entsteht, nämlich wenn z.B. die Kontur eine gewisse Stärke erreicht hat. Im letzten Abschnitt des 1. Teils beschäftigt sich Frutiger mit dem Volumen, also inwiefern durch geschickte Anordnung von Zeichenelementen der Eindruck eines Volumens entstehen kann und kommt sowohl auf die Perspektive zu sprechen als auch auf den Schatten, der dafür sorgen kann dass wir Zeichen anders wahrnehmen.

Nach dem Lesen des 1. Teils hat man nun einen recht guten Überblick darüber bekommen, was ein Zeichen ausmacht und wie unendlich die Möglichkeiten sind Zeichen zu gestalten.

 

Teil 2: Die Zeichen der Sprachfixierung

 

Die Zeichensysteme der großen Kulturen um ihre Sprache im Laufe der Zeit: Es gibt zwei Arten der Schriftentwicklung: Die bildhaft gebliebenen Schriften, die keine große Veränderung hatten z.Bm die chinesische Schrift, und die alphabetischen Schriften, die im Laufe der Jahrhunderte zu rein phonetische Zeichen verwandelt wurden und die bis auf das äußerste Vereinfachte reduzierte z.B. unser lateinisches Alphabet. Die Sumerer waren die Erfinder der Keilschrift. Wichtige Merkmale der dem Sumerer waren: Logisch-wissenschaftlicher Denkart, Zeichnen für Mann und Frau (Penis und Vulva), ihre Lesbarkeit ist bestimmter als die Hieroglyphen, Die Chinesische Bilderschrift, griff schon früh auf bestehende symbolische Ausdrücke und Gegenstände zurück. Die Phönizier waren die Erfinder des Alphabets und schafften damit die  Grundlage für Latein, Griechisch, Kyrillisch und Arabisch. Das phönizische Alphabet begann als eine Reihe von Schriftzeichen, das  Alphabet umfasste nur 22 Lautzeichen, die Konsonanten zum ersten Mal nicht in Silben benuzten, sondern als kleinste lautliche Einheiten.

Die Religionen waren die Hauptbenutzer der Schriften und oft monopolisierten sie die Kunst des Schreibens als einen heiligen Akt.

Für das Verständnis der Formentwicklung, wir müssen wir die Schreibinstrumente in Zusammenhang mit den Materialien betrachten z.B. eine Rohrfeder, die Gravur und der Druck. Lesbarkeit ist eine heikle Stelle, eine erfolgreiche Schrift wird von Millionen von Menschen gelesen, weil sie den Archetyp von Textschriften verstehen können. Wenn Qualitätsmangel vorkommt, wird der Leserprozess gehemmt.

 

Teil 3: Zeichen, Symbole, Signete, Signale

 

Zeichen sind seit jeher einen Kommunikationsmittel. Bis vor einigen hundert Jahren, genau genommen bis zur Textverarbeitung von Gutenberg, war die Bevölkerung analphabetisch und verfügte deshalb zur Übermittlung von Gedachten oder Gesprochenem Zeichen, Symbole, Signete und Signale. Zeichen trugen entweder einen offenen oder verschlüsselten Sinn.  Das symbolische im Bild ist ein Mittler zwischen erkennbarer Realität und dem unsichtbaren Reich der Religion, Philosophie und Magie. Der „Sinn“ hinter einem Bild. Besonders bei den Symbolen herrschte ein grafischer Reichtum der sich oft dem Mensch an sich, der Flora oder Fauna bediente und das Objekt sehr abstrakt und reduziert abbildete. Einigen Pflanzen und Tieren werden bestimmte symbolische Werte zugeteilt die im Unterbewussten des Menschen als wesentliche Archetypen alles instinktiven gelten. In der Geschichte der Mythologie und der Kunst zeigt sich, dass sich der Mensch in der Hierarchie der Geschöpfe als das Vollkommenste ansieht. Dadurch lassen sich viele symbolische Grafiken ableiten und erklären. Zum Beispiel das Kreuz, in der Mythologie das am öftesten vorkommende Symbol, erschließt seine Einfachheit durch das vom Menschen wahrgenommenem waagrechten und senkrechten Prinzip und dessen Kreuzung in der sich der Mensch selbst befindet. 

Das Zeichen entscheidet sich zum Symbol, da es etwas ganz bestimmtes beschreibt, wie zum Beispiel die Zeichen der Astrologie oder der Alchemie. Als Signete bezeichnen wir die Kreation eines Identitätsbild, das Vertrauen schaffen soll und zum Beispiel ein Produkt auszeichnet und in Erinnerung bleibt. In der heutigen Zeit passiert dies oft mit Markenzeichen, die eine moderne Form des Signete sind.

 

„Zeichen, Symbole, Signete und Signale sind in ihrer Vielfalt der alles durchdringende

und prägende Ausdruck unserer Zeit, indem sie Vergangenes

enthalten und bewahren, sind sie auch Hinweis auf alles Zukünftige.“