Graphische Semiologie
Diagramme, Netze, Karten

 

 

1. Analyse der Information

Bevor man sich dem grafischen System nähert, muss es zunächst klar definiert und abgegrenzt werden. Um eine grafische Darstellung herzustellen, muss nach Bertin der zu transkribierende Inhalt einer Information identifiziert werden, und die Möglichkeiten des System, in welches transkribiert werden soll, bekannt sein.

A) Invariante & Komponenten

Die Invariante einer Information ist der Begriffsinhalt, der allen ursprünglichen Beziehungen gemeinsam ist. Die verwendeten Variationsbegriffe sind die dazugehörigen Komponenten und werden in grafischen Zeichensystem visuelle Variable genannt.

B) Anzahl der Komponenten

Eine Information kann 2, 3, …, n Komponenten besitzen.

Wenn es zahlreiche Komponenten gibt ergibt sich ein Informations-Komplex.

C) Länge der Komponenten

Die Länge der Komponenten wird durch die Anzahl ihrer Teile, die es erlauben sie zu identifizieren (Elemente, Objekte, Kategorien, Klassen, Stufen), bestimmt.

Man unterscheidet zwischen kurzen, normalen und langen Komponenten:

die Länge kurzer Komponenten ist nicht größer als 4 (Bsp: Geschlechter - Länge 2; Wirtschaftssektoren -Länge 3), sie erleichtern die Lösung der Probleme im Bezug auf die visuelle Selektion und ermöglichen einfache Sonderkonstruktionen.

Lange Komponenten besitzen mehr als 15 Teile.

Die Anzahl der Unterteilungsmöglichkeiten einer unendlichen Komponente ist nicht mehr endlich; die Wertereihe wird als Kontinuum bezeichnet.

D) Gliederungsstufen der Komponenten

Die Festlegung einer Reihenfolge für die Kategorien einer Komponente bilden die Grundlage für die grafische Weiterverarbeitung einer Information. Die visuelle Variable muss mindestens die gleiche Gliederungsstufe aufweisen wie die Komponente die durch die Variable zum Ausdruck gebracht wird. Die Gliederungsstufen lassen eine erste Unterteilung der graphischen Konstruktion zu.

qualitative Gliederungsstufe - Assoziazion/Selektion

geordnete Gliederungsstufe - Reihenfolge

quantitative Gliederungsstufe - messbares Verhältnis

 

2. Die Mittel des grafischen Systes

A. Abgrenzung des grafischen Systems

Jacques Bertin betrachtet in seinen Untersuchungen nur das, was dargestellt oder gedruckt werden kann, auf einem Weißen Papierbogen mittleren Formats, mit einem Blick erfassbar, in einer Entfernung die der beim Lesen eines Buches entspricht, unter normalen, gleichmäßigen Lichtverhältnissen unter Verwendung aller verfügbaren grafischen Mittel.

"Innerhalb dieser Grenzen verfügt der Zeichner nur über Flecken."

Das grafische System verfügt innerhalb dieser Grenzen über acht visuelle Variablen:

Der Fleck kann in seiner Lage im Bezug auf die beiden Dimensionen der Ebene variieren, sowie im Bezug auf Helligkeit, Farbe, Form, Größe, Muster und Richtung.

B) Die Ebene

Die Ebene ist stetig und homogen. Da sie ein Kontinuum und somit die längste visuelle Variable ist, ist sie gut geeignet um längere Komponenten darzustellen. Ihre Gliederungsstufe ist Maximal, ihre beiden Dimensionen liefern die einzigen Variablen die alle Eigenarten der Wahrnehmbarkeit besitzen.

In der Ebene kann der Fleck ein Punkt (nulldimensional), eine Linie (eindimensional) oder eine Fläche (zweidimensional) darstellen. Diese drei Bedeutungen nennt man Implantationen.

("punkthafte/ linienhafte/ flächenhafte Implantation")

Die Art der Verwengung beider Dimensionen der Ebene nennt man Imposition. Sie umfasst die Unterteilung der grafischen Darstellungen in vier Gruppen: Diagramme, Netze, Karten und Symbole, und die Unterteilung der Diagramme und Netze in Impositions-Typen: Darstellung als Feld, geradlinig, kreisförmig, rechtwinklig und polar.

C) Die Farb-Muster-Variablen

Gliederungsstufen der Farb-Muster-Variablen:

assoziative Wahrnehmung: Form, Richtung, Farbe, Muster

dissoziative Wahrnehmung: Helligkeit, Größe

selektive Wahrnehmung: "wo ist diese bestimmte Kategorie?"- die beste visuelle Selektion wird durch die Fläche geliefert

geordnete Wahrnehmung: Vergleich zweier oder mehrerer Reihenfolgen

quantitative Wahrnehmung: Relationen durch Zahlen zu kennzeichnen (Größe)

Variablen haben eine hohe Gliederungsstufe, wenn sie eine größere Anzahl von Eigenheiten in der Wahrnehmbarkeit besitzen

 

Abbildungsnachweis

  1. Jacques Bertin, 1. Oktober 1974, de Gruyter.