The Neutral
Lecture Course at the College de France (1977-1978)

Roland Barthes (1915-1980) war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und Literaturkritiker des 20. Jahrhunderts.

Er schrieb über die moderne Gesellschaft: über Filme, Fotografie, Mode, Liebe, Werbung und ist heutzutage als einer der Begründer des Poststrukturalismus bekannt. Der Sprachwissenschaftler De Saussure sowie die Wissensgebiete der Soziologie, Philosophie und Psychologie hatten bedeutenden Einfluss auf seine Werke und Theorien.

Barthes hat mit seinen Arbeiten sehr viel dazu beigetragen zu erkennen, wie die Herstellung von Wahrheit, Bedeutung und Sinn in der Sprache, im Text und im Diskurs funktioniert und sich strukturiert. Die  Möglichkeit der Reflexion und Kritik  hat bei Barthes auch Konsequenzen für die eigene Theoriearbeit. Er ist der Meinung, dass das was geschrieben wird nicht  zur fixen Lehre verkommen, sondern den Lesern etwas eröffnen soll. Der Leser soll dabei nicht nur zuschauender und zustimmender Leser bleiben, sondern es soll sich ihm die Möglichkeit bieten, quasi lesend zu schreiben.

 

Das letzte Buch, das er geschrieben hat, ist 'The Neutral', das Ergebnis einer Vorlesung am Collège de France (1977-1978)und ist in 23 Figuren/Phänomenen strukturiert.
Im Jahre 1976 wurde Roland Barthes an das Collège de France berufen. Zu seinen Aufgaben gehörte eine wöchentliche Vorlesung, in der er aus seiner aktuellen Forschung berichtete. Im akademischen Jahr 1977/78 behandelte Barthes das Neutrale, den dritten Begriff, der die binäre Opposition – das klassische Ordnungsprinzip des Strukturalismus – unterläuft. Das Neutrale entzieht sich der Spannung und dem Konflikt und lässt sich in zahlreichen Phänomenen wiederfinden: in der Müdigkeit, der Stille, in sozialen Bildern wie dem Apolitischen, in Haltungen wie dem Skeptizismus sowie schließlich im Sexuellen, in der Figur des Androgynen.

In dieser transkribierten Vorlesung, die letztes Jahr in Frankreich erschienen ist, kommt ein neuer Barthes zum Vorschein, dessen geistreicher, in diesem Buch aus nächster Nähe zu verfolgender Gedankenfluß in seiner thematischen Breite beeindruckt.

Eine der Besonderheiten Barthes ist die Nutzung passender klassischer Zitate und sprichwörtlicher Rhetorik. So findet man in diesem Buch zahlreiche Zitate und verweise auf weitere Literatur, die dem Leser die Möglichkeit bieten bestimmte Themen zu vertiefen.
'The Neutral' hat einen deutlichen biografischen Hintergrund und stellt die Beziehungen zwischen Sprache und Gesellschaft dar.

 

Dieses Buch bietet eine besondere Gelegenheit um in die Welt der Semiotik und Philosophie einzutauchen. Der Autor präsentiert ein Werk in dem man abschweifen kann und das einem ständig neue Gedanken eröffnet.