Raumtheorie
Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften

Vilém Flusser – Räume

Zusammenfassung des Textes "Räume" von Vilém Flusser (1991) aus dem Buch “Raumtheorie: Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften”

Vilém Flusser behandelt in seinem Text “Räume” die Entwicklung des Menschens und dessen Lebensraum. Durch die Fähigkeit der Vorstellungskraft ist der Mensch in der Lage seinen Lebensraum zu abstrahieren. Wir können den Weltraum mit Hilfe von Zahlen berechnen, Worte können den Weltraum nicht begreifbar machen, aber Gleichungen können dies. Ebenso wie den Weltraum können wir uns auch vorstellen wie der Raum aussieht, in welchen sich Teilchen befinden, indem wir ihn berechnen. Der Teilchenraum ist aber kein wirklicher Raum, wir stellen uns nur vor wie es sich dort verhalten würde, wenn es ihn gäbe, dies ist der virtuelle Raum. “Da mit dem Wort »virtueller Raum« so leichsinnig umgegangen wird, ist es gut sich seinen Ursprung ins Gedächnis zu rufen: das Wort meint jenen Noch-nicht-Raum, in welchem Noch-nicht-Wirklichkeiten ihre Noch-nicht-Zeit verbringen” , so Flusser.

Den dritten Raum stellt der Lebensraum dar. Unser Lebensraum ist tausende Kilometer lang, aber nur wenige Meter hoch, dieser Raum ist aufgeteilt in verschiedene Bereiche, wie Arbeits-, Wohn-, und Freizeitraum. In der Normadenzeit war diese Raumaufteilung noch nicht nötig, da es nur den Jagt-und Fortpflanzungsraum gab. Mit der Sesshaftigkeit wurden Raumgestalter nötig, denn durch das Entstehen von Dörfern und Städten, entstand der private (früher Sitz- und Warteraum) und der öffentliche (früher “Gräserraum”) Raum. Der private und der öffentliche Raum sind die beiden entscheidenen Räume, die anderen ordnen sich diesen unter.

Die Raumgestalter teilten den Lebensraum in folgende Räume auf: Arbeits-, Freizeit-, und Wohnraum. Sie regeln den privaten und öffentlichen Raum mit Hilfe von Mauern, Fenster, Türen, Straßen, Plätzen, Tore... aber sie sind auch gescheitert, was zum Beispiel an Kriminalität, Gewalt und Kriegen sichtbar wird.

Laut Flusser beginnt aber ein neuer Abschnitt, da der öffentliche Raum, also Republik und Politik keine Funktion mehr haben und es gibt durch die Vernetzung kaum noch eine Trennung zwischen Privat und Öffentlich (“Die Trennung zwischen privat und publik wird immer weniger sinnvoll, wenn die sogenannten Politiker durch Kabel hindurch in die Küche uneingeladen auftauchen können.”).
Durch die neuartige Verkabelung und Vernutzung ist die Bildung von Gemeinschaften, unabhängig von Ort, Zeit, Familie, Volk usw. möglich: “Wir sind virtuelle Bewohner einer virtuellen Raumzeit.”

Es gibt keine Grenzen mehr und jeder von uns ist überall beteiligt, gegenwärtig und aktiv (“Das heißt nicht nur, dass wir alle virtuell passiv im Golfkrieg gegenwärtig sind, sondern auch (und das ist entscheidender), dass wir (jeder von uns) aktiv mit jedem von uns etwa Schach spielen können, wobei geographische Entfernungen keinerlei Rolle spielen.”).
Die Raumgestalter haben neue Aufgaben. Es werden keine Spezialisten mehr gebraucht, da die Räume geöffnet werden müssen, für vorerst nicht vorstellbare Aktivitäten. Es gibt keine Aufteilung in verschiedene Räume mehr, jedoch bleibt der Lebensraum “nicht mehr als eine niedrige Kiste”. Flusser erwartet von den Raumgestaltern, dass diese den Lebensraum lebendig gestalten, er solle Informationen speichern und weitergeben und es solle keine Trennung zwischen Privatem und Öffentlichen geben. Dadurch, dass sich die nun entstehenden Räume überschneiden entstehen “Grauzonen”. Diese Grauzonen sollen im Zentrum des neuen Raumproblems, der Raumgestalter, stehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Lebensraum über Jahrtausende wandelt und wir uns gerade in einer solchen Veränderung befinden. Flusser verfasste den Text im Jahre 1991 und viele seiner Thesen haben sich bewahrheitet..

 

Zu dem Buch:
Raumtheorie: Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. 
suhrkamp taschenbuch wissenschaft

Das Buch gibt einen ausführlichen Überblick zu dem Thema Raum. Es ist aufgeteilt in sechs Kapitel, welche jeweils mit einer Einleitung anfangen (Physik und Metaphysik des Raums, Phänomenologie der Räumlichkeit,Körperliche, technische und mediale Räume, Soziale Räume, Politisch - geographische Räume, Ästhetische Räume). Es werden verschiedene Theoriebereiche wie Architektur, Kunst, Medien, Geographie, Kultur, Soziologie und viele mehr behandelt, welche von unterschiedlichen Theoretikern und Philosphen (z.B.: Flusser, Arendt, Descartes, Kant, Lacan, …) verfasst wurden.
Das Buch ist sehr zu empfehlen, wenn man weitgefächterte Grundlagen zum Thema Raum gewinnen will.