Weiss

Die im Lars Müller Publishers Verlag erschienene deutsche Übersetzung des knapp 90-seitigen Buches "Weiss", versucht in 4 Kapiteln (Die Entdeckung von Weiss / Papier / Der leere Raum / Hin zum Weiss) die Konzepte zu erklären, welche hinter der traditionellen japanischen Ästhetik stecken.

Den 4 Kapiteln geht ein Vorwort voraus, indem Kenya Hara einen Bezug zu dem Essay "Lob des Schattens" (1933) von Tanizaki Jun'ichirō herstellt, welcher oft als das bedeutendste Werk bezüglich japanischer Ästhetik genannt wird. Hara möchte den Thesen Jun'ichiros nicht widersprechen, versucht aber diese zu vervollständigen, indem er im Umfeld von Weiß nach dem Ursprung der ostasiatischen Ästhetikauffassung sucht und auf eindrückliche Art und Weise seine gewonnenen Erkenntnisse ausführt.

Im ersten Abschnitt (Die Entdeckung von Weiss) beschäftigt sich Kenya Hara mit der Frage wie Weiß als Farbe funktioniert, beziehungsweise inwieweit es überhaupt sinnvoll ist Weiß der Kategorie "Farbe" zuzuordnen. Hara erklärt in diesem Zusammenhang unter anderem, wie die traditionelle japanische Farbbezeichnungen funktionieren, wodurch er die ostasiatische Farbauffassung in Abgrenzung zu der der westlichen Welt erläutert und deren Unterschiedlichkeit verdeutlicht. Im weiteren Verlauf des Buches widmet sich Hara neben dem Papier/dem weißen Blatt, vor allem dem Konzept der Leere, welches er in der Idee von Weiß maßgeblich verkörpert sieht. Gerade durch "die Leere" entsteht die ungeheure kommunikative Kraft, welche Weiß als gestalterisches Mittel bietet. Unterstrichen durch zahlreiche Beispiele sind Haras teilweise sehr abstrakte Thesen trotz allem leicht verständlich. Gegen Ende erläutert Kenya Hara neben der kommunikativen Qualität noch andere besondere Merkmale von Weiß, welche sich vor allem dadurch erklären, dass Weiß stets mit Sauberkeit in Verbindung gebracht wurde.

Die gelungene deutsche Übersetzung gibt eine anschauliche und, dank einfacher Sprache, leicht verständliche Erklärung der Prinzipien, welche in Form des Konzeptes Weiß hinter der ostasiatischen Ästhetikauffassung stecken. Die relativ wenigen Seiten (knapp 90) spiegeln in keinster Weise die umfangreichen Inhalte Haras Denkweise wider. Diesem Wert Rechnung tragend, kann "Weiss" speziell in Kombination mit Tanizaki Jun'ichirō "Lob des Schattens" für jeden, der sich mit Gestaltung und/oder der japanischen Kultur auseinandersetzen möchte, nur wärmstens empfohlen werden.


Warning: INSERT command denied to user 'dbo420353590'@'212.227.66.226' for table 'accesslog' query: INSERT INTO accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values('', 'node/49', '', '54.163.39.19', 0, '2603e76037172ff4f639e8fad8d12476', 68, 1516518473) in /homepages/9/d242106973/htdocs/absolutbasics/includes/database.mysqli.inc on line 134